Wer Leistung einfordert, muss auch dafür sorgen, dass sich Leistung lohnt!

Budgetdefizit, erneut anziehende Inflation, globale Verwerfungen mit regionalen Auswirkungen: Die globale politische und wirtschaftliche Entwicklung hinterlässt ihre Spuren bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Hinzu kommen Teuerungswelle mit weiter steigenden Lebenshaltungskosten, vor allem in Tirol. Die Belastungen werden immer größer, viele verlieren den Anschluss. „Trotz Budgetdefizit und Sparpaket muss der Bund dafür sorgen, dass die Beschäftigten entlastet werden. Die Menschen brauchen Perspektiven und dürfen nicht in Angst leben, ob sie sich ihre Zukunft noch leisten können. Wer Leistung einfordert, muss auch dafür sorgen, dass sich Leistung lohnt“, so AK Präsident Erwin Zangerl anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai.

Bei den Wohn- und Lebenshaltungskosten top, bei den Löhnen Flop: Da das Lohnniveau in Tirol zum schlechtesten in Österreich zählt und die Löhne trotz Erhöhungen mit den Preisen teils immer noch nicht mithalten können, geraten immer mehr Beschäftigte unter Druck. Die Zahl der Armutsgefährdeten sowie armen Personen ist hoch, die Mittelschicht hat sich in den letzten Jahren verkleinert und viele klagen, dass sie in Notfällen kaum auf Erspartes zurückgreifen können. „Die Verwerfungen der letzten Jahre haben tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurden über Gebühr beansprucht, obwohl sie der Garant für das Funktionieren des Landes sind“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl. Leistungswillen zu fordern, während Leistungsbereitschaft in Österreich nicht honoriert – sprich massiv besteuert – wird, sei ein Hohn gegenüber den hart arbeitenden Arbeitnehmer:innen und ihren Familien, so Zangerl.

„Die Menschen haben immer weniger Geld zum Leben, vor allem die, die ohnehin schon wenig haben. Auch in Tirol finden viele trotz Arbeit mit ihrem Lohn kein Auskommen mehr. Und anstatt zu entlasten, kommt es zu Kürzungen. In einem Land, in dem der Faktor Arbeit mit bis zu 50 % besteuert ist, wird es extrem schwierig, sich etwas auf die Seite zu legen, geschweige denn, ein bescheidenes Vermögen aufzubauen. Der Großteil des Verdienstes wird wegbesteuert“, so Zangerl.

Problematisch sieht Zangerl auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft, wenn die Mitte verloren geht und kein sozialer Ausgleich mehr stattfindet. Letztlich ist das Vermögen auch in Österreich sehr ungleich verteilt – ein Prozent besitzt die Hälfte des Gesamtvermögens.

„Wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, kann das auch eine bisher sichere Gesellschaft wie die unsere zerreißen. Das wäre ein Szenario, das sich niemand wünschen kann“, so Tirols AK Präsident. Dabei geht es nicht nur um Entlastung für Niedrigverdiener, sondern auch um eine Entlastung des Mittelstandes, der immer mehr wegbricht. Zangerl: „Selbst wenn heute jemand über dem Durchschnitt verdient, ist er nicht mehr in der Lage, Wohnraum zu erwerben. Diese Entwicklung müssen wir unbedingt stoppen. Denn wenn wir die Grundbedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger nicht mehr bedienen können, werden am Tag der Arbeit irgendwann Hunderttausende auf der Straße stehen“, warnt Zangerl.